22. August 2016: Protestaktion gegen Abriss

Die Mieter- und Bürgerinitiative Hallschlag ruft anlässlich des Zwangsumzugs der Menschen, die bisher in der Lübecker und Dessauer Straße untergekommen sind, zu einer Protestaktion auf. Am Montag, 22. August 2016, will die Initiative ab 8.00 Uhr an der Ecke Rostocker/Dessauer Straße ein Zeichen gegen den Abrisswahn setzen und Widerstand gegen weitere Abrisse aufbauen. Die Initiative fordert von der SWSG

* ein Nein zur Zwangsumquartierung der Flüchtlinge in die Quellenstraße
* ein Bleiberecht für Flüchtlinge und Altmieter
* eine sofortige Vermietung der leerstehenden Wohnungen
* Durchführung nötiger Instandhaltungsmaßnahmen (z.B. Anstrich der Fassade)
* bezahlbaren Wohnraum zu erhalten statt ihn abzureißen.

Die Initative schreibt in ihrem Protestaufruf: Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) gehört der Stuttgarter Bevölkerung und muss in ihrem Interesse handeln. Vor über einem halben Jahr hat die SWSG die Häuser Lübecker Str. 2 bis 10 abgerissen. Bis heute ist dort eine Brache. Nun soll der Abriss der Häuser Lübecker Str. 5, 7, 9, Dessauer Str. 1, 5, 9 folgen. Mit dem Abriss der Laubengänge gehen 123 Wohnungen mit Mieten von 5,50 Euro bis maximal 8,45 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter verloren. Selbst die 51 neuen Sozialwohnungen werden mit 7,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter teurer sein als die meisten frei finanzierten Altbauwohnungen. Die nicht geförderten Neubauwohnungen werden mindestens 11 Euro Kaltmiete kosten. Hinzu kommt für jede Wohnung ein verpflichtender Tiefgaragenplatz für 55 Euro im Monat.

20 Wohnungen stehen in den Laubengängen der Dessauer Straße trotz Wohnungsnot schon lange leer. Ein Teil der Wohnungen wurde für ein Jahr mit geflüchteten Menschen belegt. SWSG und Stadt Stuttgart haben nun angeordnet, dass die Flüchtlinge aus der Dessauer/Lübecker Straße am 22.8. in Systembauten in der Quellenstraße bei Mahle umziehen müssen. Nur ihre wichtigsten persönlichen Sachen werden umgezogen. Die übrigen gekauften und gespendeten Einrichtungsgegenstände sollen auf den Müll.

Die Unterbringung in den Systembauten in der Quellenstraße bedeutet: nur Gemeinschaftsküchen, -Toiletten und –Duschen, schlechte Infrastrukur, isoliert im Gewerbegebiet. In einer Wohnung in der Dessauer Straße wohnen noch Altmieter, die nun von der SWSG massiv unter Druck gesetzt werden, um für den Abriss auszuziehen.
Heute die Dessauer und Lübecker Straße, morgen die Düsseldorfer Straße und Auf der Steig und übermorgen Dessauer Straße und Am Römerkastell?

Anfang August wurden Bodenproben und Vermessungen um Altbauwohnungen in der Düsseldorfer Straße und Auf der Steig vorgenommen. Daraus schließen wir, dass diese Altbauten die nächsten Abrissopfer sein sollen. Und auch danach wird es weitergehen. Denn ein Drittel aller Wohnungen, die 2007 im Hallschlag vorhanden waren, sollen durch teurere Neubauten ersetzt werden. Eine 93 Quadratmeter große Wohnung in den Neubauten Auf der Steig kostet warm mit Tiefgaragenplatz 1.250 Euro Monatsmiete. Und alle drei Jahre will die SWSG die Mieten um bis zu 10% erhöhen.

Die SWSG wird früher oder später wieder versuchen den Hallschlag als beste Wohnlage einzustufen – mit Konsequenzen für alle hier lebenden Mieter_innen. Der frühere SPD-Baubürgermeister Matthias Hahn hat vor Beginn der Aufwertung des Hallschlags gesagt: ‚Eigentlich ist der Hallschlag ja eine bevorzugte Wohnlage.‘ Wir wollen aber keinen weiteren Killesberg, sondern Stadtteile, in denen Normal- und Geringverdiener, RentnerInnen und sozial Benachteiligte zu bezahlbaren Mieten leben können. Die zu 100% städtische SWSG muss aufhören, sich als Immobilienspekulant und Profithai zu betätigen.